Die Geschichte der Platessa von Esbjerg

Hafen Esbjerg
Hafen Esbjerg

Die Platessa von Esbjerg wurde 1935 auf der Jensen und Lauridsen Werft als Haikutter in Esbjerg gebaut. Der Geburtsmonat könnte wohl der Wonnemonat Mai gewesen sein. Der erste Eintrag im Namensregister laut der Liste des Fischereimuseums in Esbjerg lautet: 1936 E.379, Platessa Registertons: 39,90, Engene Owner: 77 HK S. Thuesen Esbjerg.

Die ursprüngliche Bedeutung »Hai« bezog sich auf ihre aggressiv-bedrohliche Erscheinung, wenn sie unter Segel oder Motor heranrauschte.

Platessa als Fischkutter
Platessa als Fischkutter

Einen Haikutter erkennt man an seinem elliptischen Heck. Die Nordsee-Haikutter verfügen über einen deutlichen Decksprung zum Vorschiff hin, damit das Schiff im vorderen Teil in der Nordseewelle gut getragen wird und die Wellen nicht so schnell über das Vorschiff brechen können. In der Mitte des Kutters war eine Fischbünn eingebaut. Es war eine große, fest eingebaute Wasserkiste. Im Schiffsboden befandensich Bohrlöcher, durch die das Seewasser fließen konnte. Das Seewasser stand in der Höhe der Schiffswasserlinie in der Bünn. Der Fischfang wurde von oben durch eine Decksluke in diesen Seewasserkasten gefüllt und somit konnten die Fische lebend angelandet werden.

E 379
E 379

Die Platessa hatte viele Jahre ihren Heimathafen in Esbjerg an der Westküste von Dänemark. Ein paar Jahre lang ging sie von Harneby und zuletzt bis 1981 von Tyboroen aus auf Fischfang. Die Platessa war am Anfang mit einem großen Einzylinder-Glühkopfmotor und einer typischen Arbeitsbesegelung ausgerüstet. Die Wellenanlage war mit einem Verstellpropeller ausgestattet. Das hatte den Vorteil, dass man kein Wendegetriebe hinter dem Motor benötigte. Der Antrieb konnte stufenlos auf Voraus und Zurück eingestellt werden. Zum Fischen war dies besonders gut geeignet. In dem Kutter wurde sehr viel robuste Eiche verbaut. Die Spanten, Planken, Längsweger und die Decksbalken bestehen aus Eiche.

Die Fischtechnik wurde im Laufe der Jahre umgestellt. Man rüstete die Haikutter mit modernem Fanggeschirr aus, vergrößerte die Netze und baute die Wasserkisten (Bünn) aus. Die Wasserlöcher im Schiffsboden wurden verpfropft. Der Schiffsmittelraum, in dem sich heute die Messe befindet, wurde dadurch zum Stauraum der Eis- und Fischkisten. Diese Umstellung hat den Kuttern nicht gut getan, denn durch das Schließen der Bodenlöcher wurde die Auftriebskraft im Mittelbereich des Schiffes erheblich größer. Dafür war der Schiffsverband nicht ausgelegt. Der ständig erhöhte Auftriebsdruck führte dazu, dass das Rückgrat des Schiffes einen sogenannten »Katzenbuckel« von mindestens sechs Zentimetern bekam und vorne sowie hinten »die Ohren hängen ließ«.

Katzenbuckel
Stabilisierung des Schiffes

Vor ein paar Jahren haben wir diesen Mangel behoben, indem wir den Kiel der Platessa
mit einem Stahlschuh eingefasst und verstärkt haben. Der Stahlschuh besteht aus einer geraden Kielplatte und zwei Seitenwangen. Der durch den »Katzenbuckel« mittschiffs enstandene Hohlraum zwischen Kiel und Kielplatte wurde mit Eisenbarren, Eisenblechen und Beton ausgefüllt. In Esbjerg auf dem Slip
In Esbjerg auf dem Slip
Die Seitenwangen wurden mit durch den Kiel gesteckten Bolzen miteinander verschraubt und dann mit der Kielplatte und dem Vor- und Achtersteven verschweißt. Somit hat die Platessa wieder ein erheblich festeres Rückgrat erhalten. Beim Aufslippen verzieht sie sich auch nicht mehr so stark im Planken- und Spantenverband. Durch den Stahlschuh bekam das Schiff ca. 2 t mehr an Gewicht. Dieser zusätzliche Ballast am tiefsten Punkt des Schiffes hat sich positiv auf die Segeleigenschaften der Platessa ausgewirkt.

Nun zur Entstehung des Schiffstyps Haikutter. Dieser Teil ist aus der Jahresarbeit von Philipp Grebner entnommen und teilweise gekürzt worden. Philipp Grebner war Schüler der Waldorfschule Gladbeck, segelte lange in der Stammbesatzung mit und schrieb diese Arbeit 1998.