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Das Grummet oder die Reihschlagschlaufe
von Eric Harhaus
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Was ist schlimmer als ein Bootsmann ohne Arbeit?
Zwei Bootsmänner ohne Arbeit!
Und noch schlimmer ist, wenn sich dieses qualifizierte Duo auch noch langweilt.Qualifiziert ist dieses Duo auf jeden Fall, nur wäre da noch zu klären in welchen Bereichen! In der folgenden Erzählung wird schon mal deutlich wie und wo gewisse Fähigkeiten liegen. Ob diese allerdings immer rühmenswert sind, sei mal dahingestellt.
Aber klar ist: sie sind sehr produktiv. Am Heck der Platessa stehen drei Pützen, eine große in der Mitte, und zwei kleinere gleichmäßig zu beiden Seiten der großen aufgestellt. In dem grauen Wasser der mittleren Pütz finden sich zwei Füße, ein Linker und ein Rechter, die den beiden eben beschriebenen Bootsmännern zuzuschreiben sind. Die anderen Füße teilen sich auf die beiden kleineren Pützen auf, zur besseren Nutzung der Wassereimer mit Tampen wurde der noch zur Verfügung stehende Platz mit Bierflaschen gefüllt, welche dort zur Kühlung untergebracht waren.
Dieses Bild ist sicherlich nicht gerade ein Augenschmaus für so manchen Skipper. Man stelle sich vor Bier, Kippe und Sonnenbrille kombiniert mit zwei gutaussehenden Jungs deren Füße in Eimern stecken, in denen sich das Frühstück von so manchem Gast wiederfand, welches dieser sich noch einmal durch den Kopf hat gehen lassen. Da fehlen doch eigentlich nur noch Goldkettchen und Brusttoupet.
Allerdings kann man sich die Charaktere mit ein bisschen Phantasie auch in einem anderen Klischée vorstellen. Nach einigen Bier ein Paar Zigaretten und genügender Sonneneinstrahlung setzten dann auch die kreativen Adern ein, womit wir dann auch wieder bei den Qualifikationen wären. Nach Stunden des Nichtstuns sind dann auch äußerst kreative Ideen entstanden, welche durch die Begeisterung der Fußbesitzer bis ins Detail ausgereift waren. Einige blieben zum Bedauern allerdings nur auf theoretischer Basis. So zum Beispiel der bordeigene Whirlpool auf den ich hier nicht näher eingehen möchte. Andere Belustigungs- Apparate wurden allerdings ausgeführt und zur präzisen Gefährlichkeit in punkto Treffgenauigkeit und Reichweite ver-bessert. Dies belustigte und faszinierte den Skipper gleichermaßen. Die Befüllungsanlage der Wasserbomben mittels Fußpumpe, welche fürs Süß und "nicht" fürs Salzwasser gedacht ist, allerdings weniger. Was er sich bei der eigenmächtigen Namensänderung der Yacht Bifröst in Bofrost dachte, kann leider nicht so genau geschildert werden.
Es darf aber auf keinen Fall der Verdacht auftreten, dass nur Blödsinn im Schilde geführt wurde, obwohl dieser Aspekt "zugegeben" im Vordergrund stand. Nein, es wurden auch äußerst sinnvolle Entwicklungen erdacht, welche nun als fester Bestandteil im Rigg der Platessa von Esbjerg fahren und das Leben und die Arbeit der beiden ach so faulen Bootsleute erheblich erleichtern.
Man kennt ja den üblichen Reihschlag! Tampen ums Segel halber Schlag, dreißig Zentimeter gerade nach hinten, Tampen ums Segel halber Schlag und so weiter und so weiter bis das ganze Segel eingepackt ist und wie der verschnürte Braten hinter der Fleischtheke aussieht. Diese Art der Pack-Form ist aber äußerst mühselig und sehr zeitaufwendig, zudem muss das Vorliek der Vorsegel mit einem Kopfzeiser runter gebunden werden. Außerdem muss jeder Reihschlag von Hand gelöst werden. Dazu muss man bei jedem Wetter in das Klüvernetz um da s Segel zum Setzen auszupacken. Man turnt also mit einem Wust von Reihleine, welche noch extra im Klüverrigg angeschlagen ist, durch das Netz und muss diese noch sichern. Dann kehrt man, mit fünf Zeisern um den Hals, nass und verfroren zurück an Deck. Da können Sie sicherlich nachfühlen wie sich die Sonnenanbeter bei dieser Arbeit fühlen.
Nun gibt es aber eine etwas bequemere Methode als diesen eben beschriebenen Reihschlag. Und zwar den Reihschlag mit der Luftschlaufe, dieser funktioniert folgendermaßen, man nimmt den Niederholer des Klüvers und bildet eine Schlaufe welche man quer über das gepackte Segel legt. Das Ende der Schlaufe welches zum Schiff läuft wird nun unter dem Segel durchgezogen und dieses Ende zieht man nun durch die gebildete Schlaufe und bildet so eine neue Schlaufe welche nun wieder quer über das Segel gelegt wird. Durch diese Schlaufe zieht man dann die nächste Schlaufe so bildet sich dann eine Zickzack Linie die über das gesamte Segel von vorne nach hinten läuft. Möchte man das Segel nun auspacken, braucht man nicht jeden einzelnen Reihschlag zu öffnen, sondern man braucht nur an dem Ende der Reihleine zu ziehen und so öffnen sich dann die Schlaufen. Man muss nur noch in den Klüver um den Kopfzeiser zu lösen. Doch selbst das war unseren Bootsleuten zu viel. Um auch diesen Arbeitsgang zu vermeiden, ließen sich die Bootsleute was einfallen.
Faule Leute sind erfinderisch und so dachten sie sich das es doch irgendeine Möglichkeit geben muss um sich den Kopfzeiser zu sparen also tranken sie noch ein paar Bier rauchten einige Zigarettenund machten sich an das Werk der geistigen Tat. Nicht das sie denken das die Jungs ihre Füße aus dem Eimer nehmen! Im Hochsommer! Doch irgendwann packte sie doch die Bastelwut und so machten sie sich ans Werk. Der Gedanke ist so simpel wie einfach, nur haben muss man ihn. Es wurde nämlich ein Grummet gespleißt, ein Grummet ist die Verbindung beider Enden einer Leine, welche so einen geschlossenen Kreis gibt und dieses Grummet wurde einfach durch die Kausch am Kopf des Segels gezogen und noch einmal durch sich selbst gezogen, dass eine sich nicht selbstlösende Verbindung mit Schlaufe entstand. Durch diese zieht man nun mit dem Niederholer die erste Schlaufe und bindet somit das Segel nach unten. Der Kopfzeiser wäre hiermit ersetzt. Nun packt man wie gewohnt mit den Luftschlaufen weiter. Möchte man nun das Segel zum Setzen auspacken, braucht man nur an dem Ende des Niederholers zu ziehen und die Reihschlaufen gehen wie oben schon einmal beschrieben auf, nun zieht man die letzte Schlaufe aus dem Grummet heraus und das Segel ist frei, ohne dass man einen Fuß in den Klüver gesetzt hat.
Der Zeitaufwand ist deutlich geringer, das Segel ist zehnmal schneller ausgepackt als nach traditioneller Art. Beim Setzen wird das Grummet einfach mit dem Segel nach oben gezogen und die Reihleine wird zum Niederholer, ist somit auch aus dem Weg. Zum einpacken muss man allerdings immer noch in den Klüver das geht jetzt aber auch schneller und einfacher.

Ist auch gut so, denn schließlich fahren unsere Bootsleute auch auf traditionellen, geschichtsträchtigen Segelschiffen und nicht auf Luxuslinern.
Eric Harhaus
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