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Bei den Menschen im Meer
- oder das Glück hat seinen Preis:
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Seemannsgarn | Seite: 1 2 3
Dass das Glück seinen Preis hat, erfuhr ich wieder einmal, als meine Zahnärztin mir mitteilte, dass der Backenzahn, der mir solche Schmerzen verursachte, gezogen werden müsse. Da Gerhard und ich uns schon seit langem darauf freuten, Weihnachten und Sylvester auf der Hallig Langeness zu verbringen und es dort bei Landunter sehr schwierig ist, einen Zahnarzt aufzusuchen, fügte ich mich in mein Schicksal und nach kurzer Zeit hatte sie den Backenzahn gezogen. Ich dankte ihr, dass sie mich von diesem Übel befreit hatte und verließ erleichtert die Zahnarztpraxis.
Am 22. Dezember 2006 brachen wir dann zu unserem Halligabenteuer auf. Und nun saßen wir doch tatsächlich im „Fährhaus“ in Schlüttsiel, wo wir genussvoll eine Fischplatte verspeisten und darauf warteten, dass uns die Fähre nach Hallig Langeness bringen würde. Es war schon dunkel als wir nach eineinhalb Stunden Fahrt an der Rixwarft anlegten und mit unserem Auto die acht Kilometer über die Hallig bis zur Neuwarft fuhren. Fiede Nissen, der Postschiffer von Langeness, und seine Frau Lore hießen uns willkommen und wir bezogen unsere Ferienwohnung mit dem Gedanken, hier zwei ruhige und geruhsame Wochen zu verbringen.
Doch schon der nächste Tag begann mit einem spektakulären Auftritt des alten Käpten, der seit Jahren die legendäre „Mamelebar“ auf der Tadenswarft betreibt. Er schenkt in seinem, mit Bänken und Tischen ausgestattetem Wohnzimmer, allerlei Getränke aus. Von Tee mit geelem Köm bis zum Pharisäer ist fast alles zu haben. Wenn man Glück hat, kann man den Auftritt eines Teufelgeigers erleben, der den Barbesuchern zwerchfellerschütternde Musik- und Gesangsstücke darbietet. Gerhard und ich waren mit dem Fahrrad am Samstagmorgen zur Hunnenswarft gefahren um beim Halligkaufmann noch ein paar Einkäufe zu machen, als ein kleines rotes Auto über die Halligstraße brauste, rasant die Kurve nahm und dann zur Warft hinauf, haarscharf am Holzzaun entlang, bretterte. Dann hielt es mit eingeknicktem Seitenspiegel gerade noch vor der Kaufladentür an und ihm entstieg ein gut gelaunter Käpten, der gar nicht verstehen konnte, dass wir uns Sorgen gemacht hatten ob er den Holzzaun stehen lassen, rechtzeitig zum Stehen kommen und mit seinem Wägelchen in den Laden hinein fahren würde, um sich das Einladen seiner Einkäufe zu erleichtern. Er sagte uns, dass er die Mamelebar zwischen den Jahren geöffnet hätte und wir versprachen mal vorbei zu kommen, was aber am „Landunter“ scheiterte, von dem ich noch berichten werde.
Gerhard hatte schon im Internet den Tidenplan studiert und festgestellt, dass es diese Woche günstig für uns stand und wir im Watt laufen konnten. Nachdem wir uns von dem rasenden Käpten wieder erholt hatten, zogen wir unsere warm gefütterten Gummistiefel an und fuhren mit unseren Fahrrädern zum Lorenplatz um von dort aus durch das Watt nach Hallig Oland zu laufen. Ein immer wieder schöner Spaziergang von etwa einer Stunde hin und einer Stunde zurück. Hallig Oland besteht nur aus einer Warft, auf der sich gemütliche mit Reed gedeckte Häuschen zusammen kuscheln. Sogar der Leuchtturm hat ein Reeddach und ist in Europa einmalig. Betritt man dann diese kleine Warft, hat man das Gefühl sich im vorigen Jahrhundert zu befinden. Wir machten einen Rundgang, betrachteten uns die Häuser, und besuchten die Halligkirche. Das „Kiek in“, eine kleine Gastwirtschaft hatte um diese Jahreszeit geschlossen und so liefen wir wieder über das Watt zurück nach Langeness.
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