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Luna und der Sylvesterknaller oder die Zirkusnummer im Airbus:
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Das Neue Jahr 2005 war gerade ein paar Tage alt, da traf ich mich mit ein paar Freundinnen zu einem Frauenabend mit Vino, Pasta, Pizza und Tiramisu, bei Angelo, unserem Lieblingsitaliener.
Die Pizzeria befindet sich in der Innenstadt und da ich ganz gerne in geselliger Runde ein Glas Wein mehr zu mir nehme und Angelo uns nach dem Essen noch Grappa, Amaretto, Ramazotti und sonstige italienische Köstlichkeiten auftischt, ziehe ich es vor, das Auto in der Garage zu lassen und den Bus zu nehmen.
Leider ist heutzutage das Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln, besonders spätabends, ein gefährliches Unterfangen. Um gegen eventuelle Attacken übler Zeitgenossen gewappnet zu sein, führe ich stets ein Pfefferspray mit mir, das ich in der Tasche meiner Jacke verstecke und mit der Faust umklammere. Dazu setze ich eine recht bedrohliche Miene auf und finde, dass ich damit einen richtig gefährlichen Eindruck vermittele, mit dem ich jeden Handtaschenräuber in die Flucht schlage.
Als ich mich an diesem Abend für das Treffen bei Angelo zurecht machte, mich mit meinem neuerstandenen Lagenlook von Lollipop umhüllte, überlegte ich mir, dass es nicht schaden würde, wenn ich unsere Bordercollyhündin Luna mitnehmen würde, um mein bedrohliches Erscheinungsbild noch zu verstärken.Wartende Luna
So rief ich Luna zu mir und teilte ihr mit, dass sie heute mit zum italienischen Frauenabend dürfe, worauf sie sich erst einmal vor Freude dreimal im Kreis drehte, denn Ausgehen, findet Luna, ist immer schön. Ich band ihr ein leuchtend rotes Halstuch um, was besonders gut zu ihrem schwarzen Fell passt und ihr ein verwegenes Aussehen verleiht. Nachdem wir beide uns nun in topmodischem Zustand befanden, steckte ich das Pfefferspray in die Jacke, nahm meine Tasche und die Hundeleine zur Hand und wir machten uns auf den Weg zur Bushaltestelle.
Dass das nicht eine meiner besten Ideen war, sollte ich bald feststellen. So schnell, wie ich dachte, kamen wir dort nämlich nicht an. Luna musste zuerst noch ihr Pipi machen, wie sie mir schwanzwedelnd mitteilte und in den kleinen Park, hinter unserem Haus, lief, wo sie in dichtem Gestrüpp ihren Pipi-mach-Platz aufsuchte.
Doch plötzlich gab es einen lauten Knall. Ein paar kichernde Buben freuten sich, ihren letzten Sylvesterkracher verschossen zu haben und stoben davon. Luna, die sich gerade niedergesetzt hatte um ihr Pippi zu verrichten, erschrak so heftig, dass auch sie davon stob. Es knackte und raschelte im Gebüsch und von ihr war nichts mehr zu sehen. Für sie ist nämlich jede Sylvesterknallerei eine wahre Tortour. Punkt zwölf Uhr, wenn die Menschen mit einem Glas Sekt und einem enormen Aufgebot an Knallern und Leuchtraketen das Neue Jahr Lunabegrüßen, springt Luna am ganzen Körper zitternd, mit einem Satz auf meinen Schoß und versteckt ihre Schnauze in meiner Armbeuge, während ich sie kraule und ihr beruhigende Worte ins Ohr flüstere. Mein Lunalämmchen, mein Schnuck-Schnuck, mein Mäusezähnchen, musst keine Angst haben, Frauchen hält Dich ganz fest.
Und nun so etwas!
Laut nach Luna rufend, lief ich durch den dunklen Park, aber sie blieb verschwunden.
So ging ich erst einmal nach Hause, in der Hoffnung sie dort vorzufinden und als ich um die Ecke bog, sah ich sie am Gartentor sitzen und auf mich warten. Du bist mir vielleicht eine, sagte ich zu ihr, wie der Baron Münchhausen auf der Kanonenkugel bist Du davon geschossen aber jetzt nehme ich Dich an die Leine. Kaum hatten wir die Bushaltestelle erreicht, kam auch schon ein Bus angebraust. Mit quietschenden Bremsen hielt er an der Bordsteinkante an und wir stiegen ein. Scheinbar hatte es der Fahrer sehr eilig, denn ruckartig fuhr er wieder an und setzte seine tollkühne Fahrt fort. Mit ein paar unfreiwilligen Luftsprüngen durch die Busmitte, landeten Luna und ich vorne beim Fahrer. Bevor ich das Geld für den Fahrschein hinlegte, wetterte ich erst einmal los.
Ich glaab, Sie verwechsele en Liniebus mit e nem Airbus. Wenn sie so weiter fahrn, hebe mir werklich noch ab. Hoffentlich habbe Sie genuch Fallscherme an Bord, damit die Leut an de Haltestelle abspringe könne.
Unbeeindruckt von meinem Ausbruch setzte er seinen rasanten Fahrstil fort und in Windeseile erreichten wir die Stadthalle. Die Bremsen quietschten, die Tür ging auf, Luna dachte wohl, dass wir schon an unserem Ziel angekommen seien und stieg, die Rollleine aufziehend, deren Ende ich in der Hand hielt, aus. Vor der Tür blieb sie stehen und schaute zu mir in den Bus.
Guck mal, ich bin schon draußen, willst du nicht auch aussteigen.
Luna, sagte ich, das darf doch alles nicht wahr sein, sei ein lieber Hund und steige wieder ein.
Der Busfahrer, auf seinen Fahrplan bedacht, sah mir ungeduldig den Kopf schüttelnd zu, wie ich sie in den Bus zurückholte. Und weiter ging die wilde Fahrt. Ich musste meinen ganzen sportlichen Ehrgeiz aufbieten, um einen Sitzplatz zu erreichen. Luna legte sich zu meinen Füßen nieder und ruhte sich erst einmal aus. Plötzlich bekam ich von hinten einen deftigen Schlag auf die Schulter, ich zuckte zusammen und sah mich schon als Opfer eines Überfalls. Ich drehte mich um, und erblickte zu meiner großen Erleichterung, Filomena, meine italienische Nachbarin. Sie lachte mich an und sagte zu mir. Du und Deine Hund könne im Zirkus auftrete, ganz große Nummer habet ihr gemacht, ihr zwei. Nun musste ich doch lachen und bedankte mich bei ihr für das Kompliment.
Vielleicht wird der italienische Abend doch noch ein Erfolg, dachte ich.
Am Marktplatz stieg ich dann mit Luna aus dem Bus und wir machten uns auf den Weg zu Angelo. Zuerst brauche ich einmal einen Grappa und ein „Beruhigungshäppchen“ für Luna, sagte ich zu ihm, als ich mich zu meinen Freundinnen an den Tisch setzte, und dann erzähle ich Euch die Geschichte vom Sylvesterknaller, vom Baron Münchhausen und von der Zirkusnummer im Airbus.
Aber zuerst einmal prost!

Medi 2005

 
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