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Sylvester 2009/10
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Bericht von Ruben Niebling, Güttingen, Schweiz
„Leben in der Liebe zum Handeln und Leben lassen im Verständnisse des fremden Wollens ist die Grundmaxime der freien Menschen.“ Mit diesem Spruch von Rudolf Steiner begannen wir jeden Tag auf der der Segelyacht Platessa.
Am 26.12.09 kamen wir, mein Vater und ich, am Binnenhafen in Eckernförde an und wurden sogleich von Jakob, Jakob und Jakob empfangen. „Black Jack“ in Begleitung der zwei anderen, war gerade auf dem Weg in die Hafenkneipe.
Nachdem wir unsere Taschen in den zugewiesenen Kojen in der Messe verstaut hatten, gesellten wir uns zu Ewald, dem Kapitän der Platessa, dessen Frau Petra und den zwei Bootsmännern, sowie den anderen Menschen, die an Bord mit dabei sein sollten, in einem griechischen Restaurant am Hafen. Mein Vater und ich bekamen schon da die Spitznahmen „Babba und Sohn“.
Das Schiff, übrigens vom Typ her ein „Haikutter“, ist in mehrere Abschnitte eingeteilt. Ganz vorne liegen die Vorpick und die Mastkammer, in der Mitte liegt die Messe, das ist der Aufenthalts- und Essraum, und die Kombüse und die Toilette. Hinten befinden sich die Achterkojen und der Maschinenraum. 16 Kojen sind auf diese Räume verteilt.
Hinten schliefen Ewald, Petra und die Bootsmänner. Ewald ist seit 25 Jahren Kapitän auf der Platessa, die nächstes Jahr 75 Jahre alt wird.
Die Arbeiten waren gleichmässig auf die Mannschaft aufgeteilt. Nach dem Frühstück, das gewöhnlich die Messebewohner richteten, fielen Arbeiten an wie Abwaschen, Staubsaugen und „Wässer deckern“ … äh, „Deker Wässern“ … äh, „das Deck wässern“, um den Dreck und das Salz vom Meerwasser wegzuspülen. Ach ja, wir segeln übrigens auf der Ostsee.
Am ersten Morgen waren wir alle pünktlich um acht auf den Beinen. Nach einem stärkenden Frühstück bekamen wir die Einweisungen von Till, dem Bootsmann, zum Gebrauch der Schwimmwesten und zu den Regeln an Bord. Vor dem „Klar zum Auslaufen“ wurden allen Mitseglern ihre Aufgaben zugeteilt. Ich war der „Landgänger“ und wartete an Land auf den Befehl von Ewald, die Festmacher von den Pollern zu nehmen. Mit einem Sprung kam ich wieder an Bord.
Unter Motor liefen wir aus und fuhren an den U-Booten und Schiffen vorbei, die im Hafen der deutschen Marine lagen.
Die Mannschaft wurde in Gruppen eingeteilt, die jeweils für einen Decksbereich verantwortlich waren: Vordeck mit Vorsegel, Kuttersegel und Flieger, Mitschiffsdeck mit Grossegel, Grosstop und Stagsegel, Achterdeck mit Besan und Topsegel. Nach etwa einer Viertelstunde waren alle Segel oben und das Schiff auf Kurs.
Die Freiwache, Mitsegler, die gerade keine Decksaufgaben hatten, richtete Kaffee, Tee, Snacks oder Brote für die Pausen. Dabei war Zeit, sich etwas mit den Segeln und der Aussicht zu beschäftigen.
Am ersten Abend liefen wir in Damp ein, eine Ortschaft nördlich der Eckernförder Bucht. Als Ländgänger half ich, das Schiff festzumachen. Mit dem Abstellen des Innenborders trafen wir uns auf Deck, um von jedem zu hören, was für ihn oder sie heute besonders war. Für die einen war es das Segeln, für die anderen die Aussicht, für den Nächsten die Ruhe und für die Meisten das Zusammenarbeiten und erfolgreiche Vorankommen. Dann wurden wieder Aufgaben verteilt: Deck aufklaren, Beiboot ranziehen, Deck spülen, Blachen aufspannen und Nachtessen richten.
Nach dem Essen gingen die Älteren unter uns in eine Kneipe, die anderen spielten etwas in der Messe und verschwanden dann nach und nach in ihren Kojen.
Den nächsten Tag starteten wir sehr früh. Dafür erlebten wir den Sonnenaufgang und ein herrliches Auslaufen Richtung Dänemark. Unter vollen Segeln liefen wir viele Stunden bei herrlicher Sonne und gleichmässigem Wind dahin. Der gleichmässige Wellengang sorgte dafür, dass ich erstmals eine aufkommende Seekrankheit bewältigen musste. Arbeit lenkt ab!
Am späten Nachmittag legten wir in Marstal, ein Dorf auf der Insel Aeroe in der dänischen Südsee an. Nach den üblichen Arbeiten bei Sonnenuntergang und dem Nachtessen wurden Geschichten vorgelesen und vor allem viel gelacht.
Am nächsten Morgen kündigte uns Ewald an, dass wir zurück nach Eckernförde müssten, da der Seewetterbericht einen Sturm ankündige. Also peilten wir die Eckernförder Bucht an, die genau gegen die momentane Windrichtung lag. Darum mussten wir mit dem Motor fahren. Dies hatte aber auch seine Vorteile, da jeder einmal eine Strecke steuern durfte. Nach Kompass zu fahren erwies sich als hohe Anforderung für die Konzentration, wir hatten zeitweise 360° Horizont ohne Landsicht. Im Schutz der Eckernförder Bucht setzten wir aber doch noch einmal, voraussichtlich das letzte Mal, die Segel. Stunden später, im Dunkeln und bei heftigem Wellengang, liefen wir im sicheren Heimathafen ein, freuten uns auf die warme Messe, das Abendessen und auf die heimische Kneipe.
Am nächsten Tag sollten die Segel abgeschlagen und das Schiff winterklar gemacht werden. An den kommenden Landtagen besuchten wir das Wellenbad, das Kino und genossen winterliche Spaziergänge durch die Stadt und den Hafen.
Am Silvestertag wurden wir aus der Messe geschmissen.
Gegen Abend wurden wir überrascht, da die Messe originell geschmückt und ein Fünf-Gang-Menü gezaubert worden war. Es war einfach … „tight - so tight, dass es burnt“.
„Vierundzwanzignullnull“ gab es ein Feuerwerk, wie ich es noch nie gesehen hatte. Es schien mir, als seien alle Bewohner der Stadt am Hafen, um Raketen zu zünden. Die Mannschaft der Platessa hatte Wunderkerzen und stiess mit Sekt und Bionade auf das Neue Jahr an.
Zurück in der Messe hielten wir den Jahresrückblick, bei dem jeder von seinem vergangenen Jahr erzählte. Wir durften von verschiedenste Erfahrungen hören, von spannenden, traurigen, tapferen und hoffnungsvollen. Manche machten es kurz, andere ein wenig ausgeprägter. Nach diesem unvergesslichen Silvesterabend waren wir alle sehr müde.
Am letzten Abend fand noch ein Rückblick statt, bei dem alle etwas über den Törn selbst sagten. Es stellte sich heraus, dass die Tage auf der Platessa von Esbjerg für alle ein besonderes Erlebnis war.
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